WELT IM OHR Bildung Forschung Entwicklung

Gutes Leben für wen? Bericht über einen engagierten Kongress in Wien

Radiosendung vom 17.02.2017


Gutes Leben für alle - unmöglich, realisierbar, utopisch? Eine Frage und viele Antworten, manche davon eigennütziger, andere wiederum global gedacht. Welt im Ohr hat sich gemeinsam mit Redner/innen und Besucher/innen des Kongresses „Das Gute Leben für alle“, der von 9. bis 11. Februar 2017 in Wien stattgefunden hat, auf die Suche nach alternativen Gestaltungsmöglichkeiten für ein gelungenes, aber andere nicht einschränkendes Leben begeben. Wie soll eine lebenswerte und gerechte Welt gestaltet sein und wer bestimmt darüber? In diesem Beitrag werden aktuelle Debatten aus der Umwelt- und Entwicklungspolitik mit Beispielen aus Brasilien verknüpft, einem Land das widersprüchlicher nicht sein könnte. Es wird über Gefühle der Ohnmacht und die Grenzen des eigenen Handelns ebenso gesprochen wie über „Sackgassen“, in die ein jeder auf dem Weg zu einem guten Leben geraten kann. Bedingt die Armut des einen den Reichtum des jeweils anderen? Lässt sich ein Konsens im Denken und im Handeln finden, der den „unmoralischen Individualismus“ zu einem gemeinnützigen solidarischen Leben – zum Wohl von Mensch und Natur – transformieren könnte? Der engagierte Diskurs in Wien wird auch durch weitere Kongresse dieser Art in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.


Sendungsgestaltung: Maiada Hadaia (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)

Im Interview:
Prof. Dr. Hartmut Rosa, Soziologe, Politikwissenschaftler, Friedrich Schiller Universität Jena, Co-Herausgeber von Time and Society
Dipl.-Geographin Lili Fuhr, Referentin für Internationale Umweltpolitik, Heinrich-Böll-Stiftung
M.Sc. Elisabeth Grimberg, Forscherin am Instituto Polis, Sao Paulo, Aktivistin im Bereich der Materialsammler/innen in Brasilien
M.Sc. Gilberto Ohta de Oliveira, Betriebswirt, Gründungsmitglied von Cooperagua, einer Kooperative für eine nachhaltige und solidarische Bewirtschaftung im Atlantischen Regenwald
Dr. Bernhard Leubolt, Sozialwissenschaftler, Redakteur des Journals für Entwicklungspolitik, Mitherausgeber der Südwind-Studie zu Solidarökonomie in Brasilien
Univ.-Prof. Dr. Andreas Novy, Leiter des Institute for Multi-Level Governance and Development, Wirtschaftsuniversität Wien, Kongressveranstalter

Link zur Südwind Studie

Musik: Rebonnat Mostha-Samba par ici, Daniel Brandell-Que pena tanto faz recreation edit, Oursvince- Spanish Samba 2, Giulio Bradamante-Fla-mbe. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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America first – und andere Dystopien, die Entwicklungspolitik in Frage stellen

Radiosendung vom 03.02.2017


America first, der Bau einer riesigen Mauer, Einreiseverbot für Muslime aus sieben Staaten, die angekündigte Reduktion der Zahlungen an die Vereinten Nationen bis zu 40% etc. etc. – spätestens nach der ersten Woche der neuen Administration der USA hat sich klar gezeigt, dass Abschottung und Inselstaatlichkeit nicht nur Wahlkampfslogan, sondern Realpolitik sind. Zugleich hat letzte Woche George Orwells Roman „1984“ – geschrieben 1948 – in der englischsprachigen Welt in neuen Editionen die Bestsellerlisten erklommen, mit Sicherheit kein Zufall in einer globalen Situation, die sich größten Bedrohungen ausgesetzt sieht.

Mit Utopien und Dystopien – den zwei Seiten jener Medaille, welche die menschliche Suche nach radikalen Lösungen aus dem Dilemma der unvollkommenen Existenz symbolisiert – setzt sich der Physiker Johannes Schmidl seit langem intensiv auseinander. Dabei geht es wesentlich um den Umgang und um die – gerechte? – Verteilung von beschränkten Ressourcen. Und damit um die mitunter Jahrhunderte alten Gedankenexperimente, worin die ideale Gesellschaftsordnung bzw. deren Gegenteil besteht. Sein neues Buch „Bauplan für eine Insel – 500 Jahre Utopia“ hat durch die jüngsten Ereignisse besondere Aktualität erlangt und ist vor kurzem in die „Top Ten der Zukunftsliteratur“ gewählt worden. Johannes Schmidl ist zu Gast bei Andreas Obrecht, wobei in dem Gespräch insbesondere auch reale Folgen des dystopischen/utopischen Denkens und Handelns für die Entwicklungspolitik ausgelotet werden sollen.

Gestaltung und Moderation: Andreas Obrecht (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gast: Dipl.Ing. Johannes Schmidl, Energiekonsulent und Sachbuchautor

Aktuelle Bücher:
Johannes Schmidl (2016): Bauplan für eine Insel. 500 Jahre Utopia. Verlag Sonderzahl Wien, ISBN 978 3 85449 455 3
Johannes Schmidl (2014): Energie und Utopie. Verlag Sonderzahl Wien. ISBN 978 3 85449 412 6

Link zur Zukunftsbibliothek

Musik: Dani Alba - Bario, The Mind Orchestra - Moonlight, Kate Orange - Why, Spleen Musical - Shine Star. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Wem gehört der Müll? Wer verdient am Recycling?

Radiosendung vom 23.12.2016





















Müll belastet nicht nur die Umwelt und vergeudet kostbare Rohstoffe. Müll ist inzwischen auch Einkommensgrundlage: Für Start-Up Firmen der Recyclingindustrie, für hunderttausende Menschen in den Metropolen des globalen Südens, die zwischen Müllentsorgern und Müllverwertern soziale Kämpfe um ihre Rechte führen. Weniger Abfall produzieren, Müll umweltgerecht entsorgen, Wertstoffe zurückgewinnen: So lautet die Devise derer, die darum wissen, dass der wachsende Abfall aus Plastik, Elektroschrott und Haushalts- sowie Industriemüll neue Probleme schafft.

Gestaltung und Moderation: Martina und Anna, eine Sendungsübernahme vom Südnordfunk iz3W

Musik:Triplexity-Lucky Number Seven; Regis V. Gronoff-Underground in London; Magicblackeys-Mambo latino; Petite Viking-African Dream. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Universitäre Entwicklungssoziologie und die Popularisierung des soziologischen Denkens

Radiosendung vom 09.12.2016


Die Soziologie ist eine junge Wissenschaft – nicht älter als 200 Jahre. Ursprünglich aus der Philosophie und der Sozialen Physik kommend, hat sie die „Gesellschaft“ als Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnissuche entdeckt. Im Zuge der weltweiten Dekolonialisierung ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts spielte die Soziologie eine maßgebliche Rolle im Entwicklungsdiskurs und damit in der analytischen Betrachtung der Verhältnisse zwischen Nord und Süd, zwischen armen und reichen Ländern.

Klaus Zapotoczky war langjähriger Ordinarius der Abteilung für Politische Soziologie und Entwicklungsforschung an der Johannes Kepler Universität Linz. Claudia Pass – die ebenfalls an der Uni Linz Soziologie studiert hat – steht dem Berufsverband der Soziologinnen und Soziologen Österreichs vor und ist Mitherausgeberin der Zeitschrift „Soziologie heute“, die soziologisches Denken über Mensch und Gesellschaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will. Klaus Zapotoczky und Claudia Pass sind zu Gast bei Andreas Obrecht und diskutieren über die gesellschaftliche Relevanz der Soziologie gestern und heute – insbesondere auch in vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungskontexten.

Gestaltung und Moderation: Andreas Obrecht (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gäste:
Univ.-Prof. em. Dr. Klaus Zapotoczky, ehemaliger Ordinarius an der Abteilung für Politische Soziologie und Entwicklungsforschung an der Johannes Kepler Universität Linz, Mitglied des Kuratoriums der Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) bei der OeAD GmbH
Mag. Dr. Claudia Pass, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Soziologinnen und Soziologen Österreichs und Mitherausgeberin der Zeitschrift „Soziologie heute

Aktuelles Buch: Klaus Zapotoczky (2016): Wechselwirkungen zwischen Mensch und Gesellschaft, Trauner Verlag Linz, ISBN: 978-3-99033-244-3

Musik: Kingstone - Chicago, Reno Project - Little Cookie, Professor Kliq - Wire & Flashing Lights, Kara Square and Piero Peluche - Just a Glass. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Film als Kunst- und Kulturform: Entwicklung zwischen Eurozentrismus, Exotisierung und Engagement

Radiosendung vom 25.11.2016

























Im Rahmen der Filmtage „Wissen.Schafft.Entwicklung.“, die heuer in Kooperation mit dem
VIII. Mittelamerikanischem Filmfestival und dem this human world - Festival stattfinden, werden Dokumentationen gezeigt, die sich mit der Abholzung der Regenwälder, indigenem Widerstand, der in diesem Jahr ermordeten Umweltaktivistin Berta Caceres aus Honduras, dem Völkermord in Ruanda und den restriktiven Gesetzen für LGBTIQ Personen in Uganda beschäftigen.

Im Fokus dieser Sendung steht, neben den preisgekrönten Dokumentationen engagierter Filmemacher/innen und entwicklungsrelevanten Forschungsergebnissen, die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur als intellektuelle und transkulturelle Begegnungsräume im Spannungsfeld zwischen Eurozentrismus, Exotisierung und Engagement.

Mit den Veranstalter/innen der renommierten Filmfestivals gehen wir den Fragen nach ob und inwieweit Film als Kunst- und Kulturform Entwicklung beeinflussen kann und wie sich Akteur/innen in diesem Spannungsfeld bewegen.

Mittels der Filmtage machen die Kommission für Entwicklungsforschung und das Hochschulkooperationsprogramm der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (KEF/APPEAR) entwicklungspolitische Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Nach den gezeigten Dokumentationen diskutieren renommierte Wissenschaftler/innen und KEF/APPEAR Projektpartner/innen über ihre Erfahrungen in den Regionen Mittelamerika und Ostafrika, und berichten über ihre Forschungsergebnisse zu den Themen Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung, auch aus Sicht der dort lebenden Bevölkerung.

Das offizielle Programm finden Sie hier und auf den Webseiten von KEF und APPEAR.

Gestaltung und Moderation: Maiada Hadaia (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gäste: Djamila Grandits, Leitung this human world - Festival
Dr. Enrique Bedoya, Leitung Mittelamerikanisches Filmfestival
Mag.a Anico Herbst, Programmkoordinatorin Mittelamerikanisches Filmfestival

Musik: Migala-Pietre; Xauen la banda del mono Titi-Miro al cielo tada via; Petite Viking-African dream. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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