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Von den Millenniums-Entwicklungszielen zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen

Radiosendung vom 13.05.2016



Nachdem mit den Millennium Development Goals (MDGs) seit 2000 erstmals global akkordierte Zielsetzungen die Entwicklungszusammenarbeit für 15 Jahre bestimmt hatten, liegt seit 2015 eine neue Agenda vor. In ihr bildet sich die an Bedeutung gewonnene Nachhaltigkeitsdebatte ab, die im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) als für alle Länder verbindlicher Rahmen die nun vor uns liegenden 15 Jahre leiten soll. Diese in einem der bislang größten UN-Konsultationsprozesse beschlossenen und mit 1. Jänner 2016 in Kraft getretenen SDGs verbinden ökologische mit sozialen Zielsetzungen.
Mit 17 Oberzielen und 169 Unterzielen sind die SDGs sehr viel breiter als die MDGs. Liegt darin die Chance umfassender nachhaltiger Entwicklungsperspektiven oder aber die Gefahr nur schwer überprüfbarer und schwammiger Zielmarken? Wie werden die finanziellen Mittel für diese stark erweiterte Entwicklungsagenda aufgebracht? Eine Agenda, die keineswegs nur für die nach dem DAC-System als „Least Developed Countries“ definierten Länder gilt, sondern ebenso für die gemeinhin als entwickelt bezeichneten Länder. Was bedeuten die SDGs also auch für politische Entscheidungen in Österreich und wie werden sie sich auf die österreichische Außen- und Handelspolitik auswirken?
Darüber diskutieren wir in der Sendung mit Annelies Vilim und Ulrich Brand. Außerdem wollen wir anlässlich der SDGs fragen, wie Nachhaltigkeit auch außerhalb eines westlichen Fortschrittsparadigmas gedacht werden kann und was unter indigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Georg Grünberg beleuchtet diese Frage aus einer u.a. guatemaltekischen Perspektive. Im Raum steht generell auch die Frage, ob es nach den MDGs nun eine in den SDGs abgebildete „Post-2015 Entwicklungsagenda“ braucht, oder aber eine „2015 Post-Entwicklungsagenda“.

Gestaltung und Moderation: Fabian Unterberger (für den Sendungsinhalt verantwortlich)
Gäste:
Mag. Annelies Vilim (Geschäftsführerin AG Globale Verantwortung)
Dr. Georg Grünberg (u.a. Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Interdisziplinären Universitätslehrgangs für Höhere Lateinamerika-Studien, Träger des Österreichischen Preises für Entwicklungsforschung 2015)
Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand (Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien)
Im Interview: Mag. Sylvia Meier-Kajbic ( Leiterin Abteilung VII.1 Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit im BMEIA)

Musik: Macroform - Dreaming; milan - Miracle; Greg Baumont - The blue star; Sweet Play - LIGHT OF FREEDOM; Kew - Dark Liquor; et_ - Tarmac. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Die EZA auf der Anklagebank - eine (fiktive) Gerichtsverhandlung

Radiosendung vom 29.04.2016



Am 20. Jänner 1949 präsentierte der amerikanische Präsident Harry S. Truman das Point-IV-Programm. Dieses regional nicht beschränkte wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm hatte zum Ziel, die durch den Zweiten Weltkrieg erschütterte Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Es gilt der allgemeine Tenor, dass hiermit der Grundstein für die heutige, erst Entwicklungshilfe, später Entwicklungszusammenarbeit, gelegt wurde.
Gut 65 Jahre später, im September 2015, beschlossen die Vereinten Nationen die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs), deren erstes Ziel (von insgesamt siebzehn) es ist, die nach wie vor in vielen Teilen der Welt vorherrschende absolute Armut bis 2030 zu besiegen – nun aber wirklich. Alleine in den letzten Jahrzehnten sind hunderte Milliarden US Dollar zur Armutsbekämpfung aufgewendet worden.

An diesem Punkt stellten sich Friedbert Ottacher und Thomas Vogel, zwei langjährige Kenner der Szene, Fragen: „Funktioniert Entwicklungszusammenarbeit eigentlich?“ „Wo steht sie heute?“ und „Wie sollen/wollen wir weitermachen?“.Rund um diese Fragen setzen wir in dieser Sendung die Entwicklungszusammenarbeit auf die Anklagebank. Johanna Mang als gestrenge Richterin führt die fiktive Gerichtsverhandlung, im Zeugenstand stehen Petra Navara und Michael Obrovsky. Friedbert Ottacher vertritt die Anklage und Thomas Vogel die Verteidigung der EZA.

Publikation: Friedbert Ottacher, Thomas Vogel (2015): Entwicklungszusammenarbeit im Umbruch – Bilanz – Kritik – Perspektiven. Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt.

Gestaltung und Moderation: Doris Bauer (für den Sendungsinhalt verantwortlich)
Gäste:
Dipl. Ing. Johanna Mang (stv. Geschäftsführerin LICHT FÜR DIE WELT)
Mag. Petra Navara (ehem. Geschäftsführerin HORIZONT3000 und AG Globale Verantwortung, Autorin)
Dr. Michael Obrovsky (wissenschaftlicher Leiter bei der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), KEF-Kuratoriumsmitglied)
Dipl. Ing. Friedbert Ottacher (freiberuflicher Berater, Trainer und Autor zur Entwicklungszusammenarbeit, Lektor an der Technischen Universität Wien)
Dipl.Vw. Thomas Vogel (Bereichsleiter Programme bei HORIZONT3000, Trainer, Lehrbeauftragter, Autor zu entwicklungspolitischen Themen)

Musik: Antonio Palareti - Contrapunctus II a 4 (J.S. Bach); Greg Baumont - the blue star; Pornophonique - lemmings in love; Jemex - Square 1 ft. Derrius Dean; Pornophonique - game over. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Palästinensische Gebiete: Lokale Wissensproduktion aus dekolonialer Forschungsperspektive

Radiosendung vom 15.04.2016



Angesichts der multiplen Krisen in den Palästinensischen Gebieten und der Entwicklungszusammenarbeit in diesem besonderen Kontext, zielt das APPEAR-Projekt „Rooting Development in the Palestinian Context“ darauf ab, eine inklusive, demokratische und egalitäre Entwicklungsagenda zu erstellen.
Diese Agenda soll disziplin- und grenzübergreifend von Forscher/innen, Aktivistinnen und Aktivisten sozialer Bewegungen und politischen Akteurinnen und Akteure für den palästinensischen Kontext erarbeitet werden.
In dieser Sendung sprechen zwei Verantwortliche, sowie einige Partner/innen des Projektes über die vier Projektkomponenten, wie beispielsweise die Ausbildung der Feldforscher/innen. Hier sollen weitgehend marginalisierte palästinensische Communities in der Diaspora zu ihren jeweils konkreten Problemen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen befragt werden. Diese Befragungen und Erhebungen sollen im Rahmen des wissenschaftlichen Ausbildungsprogramms von jungen Akademiker/innen in den verschiedenen Camps in den Palästinensischen Gebieten, in Jordanien und dem Libanon durchgeführt werden. Eine weitere Komponente beschäftigt sich mit der Frage: Welche Ziele und Visionen kann eine gegenwärtige Entwicklungsagenda unter diesen Bedingungen und mit diesem Hintergrund heute verfolgen? Die Gäste und Interviewpartner/innen berichten weiters aus einer dekolonialen Forschungsperspektive über die politische und akademische Situation in den drei Partnerländern. Was das konkret bedeutet, erfahren Sie in dieser Sendung.

Gestaltung und Moderation: Maiada Hadaia (für den Sendungsinhalt verantwortlich) und Klaudia Rottenschlager

Gäste:
Dr. Helmut Krieger (Sozialwissenschafter und Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien, APPEAR Projektleiter auf der Österreichischen Seite)
Mag.a Klaudia Rottenschlager (APPEAR Projektmitarbeiterin)

Im Interview:
Ayman Abdel Majeed Rezeqallah, Projektkoordinator Rooting Dvelopment in the Palestinian Context, (Center for Development Studies, Birzeit University)
Kassem Sabbah, ( Leitung Moussawat, Libanon)
Rahma Maine, (Leitung Community Development Centre Zarqa, Jordanien),

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Musik: Dahab-Album Spirit of the Sinai: Dahab, Brother, I remember when, Overdrive, Time. Nachzuhören auf Free Music Archive und Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Gregor Mendel und die „Grüne Revolution“

Radiosendung vom 01.04.2016




Bezugnehmend auf das Symposium „150 Jahre Mendelsche Regeln – vom Erbsen zählen zum Gen-Editieren“,das Mitte März in Wien stattgefunden hat, berichten in dieser Sendung Forscher/innen aus unterschiedlichen Perspektiven zur Person und zur Forschung Gregor Mendels. Er revolutionierte mit seinem Schaffen die Naturwissenschaften und ist bis heute unter anderem als „Vater der Genetik“ bekannt.
Im Jahr 2016, das von den Vereinten Nationen zum internationalen Jahr der Hülsenfrüchte erklärt wurde, tritt die globale Debatte um die Nutzpflanzenzucht verstärkt in den Vordergrund. Auch bei der sogenannten „Grünen Revolution“ spielte diese eine große Rolle. Diese „Revolution“ läutete in den 1960er Jahren in Entwicklungsländern eine Umstellung der Landwirtschaft auf moderne Produktionsmethoden ein. In deren Folge wurden die Erträge in so großem Maße gesteigert, dass damit die Ernährung der stark wachsenden Weltbevölkerung sichergestellt werden sollte.
Mendel forschte bereits vor 150 Jahren an Pflanzenhybriden und seine Erkenntnisse in der Naturforschung legten den Grundstein für die Zucht moderner landwirtschaftlicher Hochleistungs- und Hochertragssorten. Diese sind heute erfolgreich in Afrika, Asien und Lateinamerika verbreitet, aber nicht unumstritten.
Im zweiten Teil der Sendung widmen wir uns den negativen Auswirkungen der „Grünen Revolution“. Am Beispiel des in Kürze startenden APPEAR Projekts „Strengthening of Higher Education, Research and Community Outreach in Agro-Ecology in the Rwenzori Region in Western Uganda“ , das sich unter anderem mit kleinbäuerlicher und nachhaltiger Subsistenzwirtschaft in Uganda befassen wird, werden Hintergründe und Ursachen einer scheinbar „grünen Idee“ und ihrer Folgen näher beleuchtet.


Gestaltung und Moderation:
Maiada Hadaia (Verantwortlich für den Sendungsinhalt), Sprecher: Fabian Unterberger, M. Hadaia
Im Interview:
ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Marianne Klemun, Wissenschaftshistorikerin am Institut für Geschichte der Universität Wien
Dr.in Friederike Trognitz, Austrian Institute for Technology (AIT), Abteilung Bioresources/Microbial Bioeffectors
Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Sölkner, Universität für Bodenkultur, Institut für Nutztierwissenschaften
Univ. Prof. Dipl.-Agr.Biol. Dr. Ing. Bernhard Freyer, Universität für Bodenkultur, Institut für Ökologischer Landbau
Dipl.-Ing. Mag. Philip Dietrich, Universität für Bodenkultur, Institut für Ökologischer Landbau

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Musik: Rebellenherz-Combine the seconds of me and you, Celebrate the truth, Call the angels in times of unrest; Ergo Morpheus-13 Questa Fiamma; Z Asmut-Hard drugs; Bo Moonlight-Green Waltz. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Lateinamerika: Aufbruch in die Sackgasse?

Nachholende Entwicklung und politischer Backlash in Venezuela, Bolivien, Ecuador und Argentinien
Radiosendung vom 18.03.2016





















Nach den für die Entwicklung Lateinamerikas als „verlorene Dekade“ bezeichneten 1980er Jahren, läuteten Wahlerfolge progressiver Regierungsprojekte knapp zwanzig Jahre später eine Zeitenwende ein. Das Projekt der „bolivarischen Revolution“, mit Hugo Chávez als Gallionsfigur, stellte in Venezuela die soziale Frage in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Umverteilung und Demokratisierung. In Ecuador versprach die „Bürgerregierung“ Rafael Correas politische Teilhabe und sozialen Aufstieg, in Bolivien nationalisierte der indigene Präsident Evo Morales Öl- und Gasvorkommen und in Argentinien sagten Néstor und Cristina Kirchner den internationalen Hedgefonds den Kampf an. Eine in der lateinamerikanischen Geschichte beispiellose Entwicklung der Sozialindikatoren sowie umfassende Partizipation und soziale Rechte ließen die Regierungen der neuen Linken schon nach wenigen Jahren für viele zu bedeutenden Hoffnungsträgerinnen nachholender Entwicklung werden.

Inzwischen weicht die Hoffnung jedoch zunehmend der Enttäuschung. Dem rasanten Aufschwung und der Verbesserung der sozialen Verhältnisse folgten Stagnation, Korruption und Orientierungslosigkeit. Überwunden geglaubte Phänomene wie Hyperinflation und Güterknappheit tauchten plötzlich wieder auf. Die einstigen Hoffnungsträger/innen sehen sich zunehmend mit Unzufriedenheit und Frustration konfrontiert. In Argentinien gewann im November 2015 erstmals seit 2003 ein konservativer Herausforderer die Präsidentschaftswahlen, auch in Venezuela unterlag das Projekt der „bolivarischen Revolution“ in den Parlamentswahlen.

Was bedeutet dieser politische Backlash für die Perspektiven nachholender Entwicklung in Lateinamerika? Und wie ist das Entwicklungsregime der nun in die Defensive geratenen „progressiven Regierungen“ zu beurteilen? Diese Fragen diskutiert Fabian Unterberger mit Karin Fischer und Johannes Jäger.

Gestaltung und Moderation: Mag. Fabian Unterberger (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)

Gäste: Mag. Dr. Karin Fischer (Abteilungsleiterin Politik und Entwicklungsforschung, Johannes Kepler Universität Linz)
Prof. (FH) Mag. Dr. Johannes Jäger (Lektor und Fachbereichsleiter Volkswirtschaftslehre, FH des BFI Wien)


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Musik: Manuzik - Habanera; LaBarcaDeSua - Son de maiz; Daniel Brandell - Madrugada _remix; Erizo - Bajando El Rio; Abraham Castellon - Pintor de suenos; Jan Acendra y Su Son Latino - Hermosa; Walter Ribeiro - Pele. Nachzuhören auf "http://freemusicarchive.org/" target="_blank">Free Music Archive und Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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