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Im Auto durch zwei Welten – eine Frau fährt um die Welt

Radiosendung vom 18.8.2017



Mit dem Auto einmal um die ganze Welt. Das war der Plan der ambitionierten jungen Industriellentochter Clärenore Stinnes im Jahr 1927. Zuvor hatte das noch niemand auf sich genommen.

Clärenore war schon immer anders. Die klassische Frauenrolle sagte ihr so gar nicht zu und dank ihres Vaters, der die individuelle Entwicklung seiner Kinder sehr gefördert hat, hatte er ihr mit 18 Jahren den Führerschein ermöglicht. Ab da saß sie selbst „hinter dem Volant“ also am Steuer eines Automobils. Welch weitreichende Folgen dies haben sollte, ahnte bis dahin noch keiner. Mit 24 nahm sie das erste Mal an einem Autorennen teil und war innerhalb kurzer Zeit die erfolgreichste Rennfahrerin Europas. Doch das genügte ihr nicht, nicht nur Geschwindigkeit, sondern die Ferne lockte sie.

So brach sie am 25. Mai 1927 mit zwei Technikern, einem Kameramann, einem Hund und einem Begleitfahrzeug von Berlin aus auf, die Welt zu umrunden. Sie fuhr relativ geradlinig in den Osten, durchquerte große Teile der „alten Welt“, Europa und Asien, und dann die „neue Welt“, den amerikanischen Kontinent, um erst nach zwei Jahren unvorstellbarer Strapazen, Autopannen, Krankheit und immer wieder wochenlanger Warterei aus dem Westen zurückzukehren.

Sie war auf dieser Reise schon bald um zwei Begleiter ärmer, dafür erwiesen sich sowohl der schwedische Kameramann Carl-Axel Söderström, als auch ihr treuer Hund Lord, als ebenbürtige Weggefährten.

Gestaltung: Doris Bauer (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)

im Interview: Dr. Gabriele Habinger, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

Sämtliche Textstellen sind folgenden Werken entnommen:
Habinger, Gabriele [Hg.], Stinnes, Clärenore: Im Auto durch zwei Welten. Die erste Autofahrt einer Frau um die Welt 1927 bis 1929 (Edition Frauenfahrten). Wien: Promedia 2007.
Titel der Originalausgabe: Im Auto durch zwei Welten, Berlin 1929.

Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders. Die Erfindung des Automobils. Erinnerungen eines Achtzigjährigen. Berlin: Holzinger 2014.
Erstdruck: Leipzig 1925.

Weiteres Werk:
Habinger, Gabriele; Söderström, Carl-Axel: Eine Frau fährt um die Welt. Die spektakuläre Reise der Clärenore Stinnes 1927–1929. München: Frederking & Thaler 2016.

Musik und Soundeffekte:
juskiddink, Zerolagtime, Lonemonk, Sqashy555, Gbling, Orlando65, unfa, derangedHarry Champion - Little Bit of Cucumber; Eddie Morton - Dont Take Me Home; Ben OThman - Lounge Oud Feat. Fawzi Chekili; Zinaida Trokai - The spirit of Russian love; panfluterman - ancient cavern III; Music is Love - Terrafree. Nachzuhören auf Jamendo, Freemusicarchive und Freesound.org

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Sommerlesung: Reise nach Grenada – die Insel der Gewürze in der südöstlichen Karibik

Radiosendung vom 4.8.2017



Traumhaft weiße Strände, dichte Dschungel, türkisblaues Meer und idyllische Fischerdörfer – das ist die Karibikinsel wie sie sich den Tourist/innen präsentiert. Die Einheimischen freilich, zu über 90 % westafrikanischen Ursprungs, leben zwischen Armut und beträchtlichem Reichtum, da die Insel als Steuerparadies Finanzjongleuren aus aller Welt dient. Die einfachen Menschen ernähren sich vom Fischfang, von subsistenter Landwirtschaft und vor allem auch von dem Anbau von Gewürzen – allen voran der Muskatnuss.

In sieben Destillerien werden mehr als zwanzig verschiedene Sorten Zuckerrohrrum für die rund 100.000 Einwohner gebrannt, Musik – Ragga, Soca, Reggae, Calypso und Maas – sowie der körperbetonte Tanz sind allgegenwärtig und in der Karnevalszeit ziehen die Leute in fantastischen selbstgemachten Kostümen über die ganze Insel. Nicht nur der Karneval wurzelt in der afrikanischen Tradition, auch Liebeszauber und Hexerei sind neben anderen Formen der Alltagsmagie selbstverständlicher Teil der Kultur so wie auch die Rastafari-Bewegung, die sich als religiöse Orthodoxie auf Teile des Alten Testaments beruft, den Gott Jah verehrt und in Afrika das „gelobte Land“ sieht. Die Sendung führt sowohl zu einem Heilungsritual der berühmt berüchtigten Voodoo-Priesterin Mother Annie als auch zu einer in den Bergen gelegenen Rasta-Siedlung.

Andreas Obrecht war das erste Mal 1987 in Grenada, zwischen den Jahren 2000 und 2002 hat er auf der Insel gelebt und sie seither immer wieder besucht – zuletzt 2015. Für die Welt im Ohr Sommerlesung sind alte und neue Aufnahmen neu editiert und zusammengestellt worden – eine akustische Reise zu einer faszinierenden Insel und zu den bunten Facetten afro-karibischer Kultur.

Alle Kommentare und Beschreibungen der Sendung sind folgendem Buch entnommen: Andreas Obrecht (2006): Geschichten aus anderen Welten. Eine Reise nach Neuguinea, Inselmelanesien, Ostafrika, Nepal und in die Karibik. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar

Gestaltung: Andreas Obrecht (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)

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Geld gegen Armut?

Radiosendung vom 21.7.2017



Social Protection, also der soziale Schutz, den ein Staat seinen Bewohner/innen bietet, ist ein maßgebliches Instrument für das Wohlbefinden und die Lebensqualität in einem Land. Dieser Schutz umfasst viele Bereiche des täglichen Lebens und des persönlichen Wohlbefindens, sei es Gesundheit, Bildung, Arbeit oder die Unterstützung von besonders gefährdeten Gruppen wie von Armut betroffene oder körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen.

Traditionell bestand Social Protection im Bereich der Armutsbekämpfung aus Sachleistungen, wie etwa Lebensmitteln, oder aus Diensten, wie das zur Verfügung stellen von Gesundheitsversorgung oder Bildungseinrichtungen. Erst nach und nach bekamen Geldtransfers hier Bedeutung. Brasilien startete 2003 das Programm Bolsa Escola/Bolsa Família, das eine Vorreiterrolle einnahm. Diese Geldtransfers waren allerdings an Bedingungen wie regelmäßiger Schulbesuch und das in Anspruch nehmen von Gesundheitsleistungen gebunden.

Seit einiger Zeit laufen auch vereinzelte Pilotprojekte zu unkonditionalen Geldtransfers, also Geldleistungen die jeder einer bestimmten Gruppe bekommt, ohne dafür Auflagen zu erfüllen, oder zu bedingungslosem Grundeinkommen, also der flächendeckenden regelmäßigen Auszahlung an alle Bürger/innen eines Staates, sowohl im globalen Norden als auch im globalen Süden.

Barbara Rohregger befasst sich seit langem mit Social Protection und Geldtransfers, aktuell insbesondere in Ghana und Kenya. Sie wird in dieser Sendung zu Ihren Erfahrungen in diesem Bereich und zur aktuellen Diskussion sprechen. Im Interview gibt Jurgen de Wispelaere einen Überblick zu der Thematik.

Gestaltung und Moderation: Doris Bauer (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)

Gast: Dr. Barbara Rohregger, selbständige Gutachterin für Sozialpolitik und Soziale Sicherung in Entwicklungs- und Transformationsländern, wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Forschungsprojekt „Social and Health Policies for Inclusive Growth in Ghana and Kenya“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Im Interview: Dr. Jurgen de Wispelaere, Sozialwissenschafter mit Schwerpunkt Basic Income, Universität Bath/UK und Universität Tampere/Finnland

Musik: The Man in Washington - Every type of cloud; Sickboys and Lowmen - I've got it all, All rivers; The Dada Weatherman - Lost to me, Down below. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Best-of Globale Dialoge: „movements |die Welt in Bewegung“

Radiosendung vom 07.07.2017






























In dieser Sendung ist ein Best-of der entwicklungspolitischen Sendereihe Globale Dialoge – Women on Air zu hören. Wir haben vier der acht Beiträge über Frauen und wie sie die Welt bewegen, übernommen. Die Redakteurinnen haben mit ihrer Jahres-CD den Civil Media Award 2017 in der Kategorie Radio, Access und Empowerment gewonnen.

Im Jahr 2016 legte die Redaktionsgruppe „Women on Air“ ihren Schwerpunkt der Sendereihe Globale Dialoge auf Radio Orange 94.0 auf das Thema „movements | Die Welt in Bewegung“. Damit gemeint sind Frauen in Bewegung – physisch sowie politisch. Die Redaktionsgruppe trat mit Frauen auf der Flucht, in der Migration und in politischen Bewegungen in Dialog und hörte ihre Geschichten und welchen Herausforderungen sie ausgesetzt sind. Darüber hinaus beleuchten die Beiträge, welche politischen Praktiken Frauen weltweit entwickeln und wie sie sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen.

Zu hören sind die Globalen Dialoge: Jeden Dienstag von 13 bis 14 Uhr auf ORANGE 94.0, sowie weltweit via Live-Stream und über die App. Nachgehört werden können sie im Audio-Archiv der Sendereihe Globale Dialoge.

Musik: Triplexity - Three 4 Ten, Ofri Eliaz - Yigdal, The Mind Orchestra - Healing Transformation. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Medizinanthropologie: Über die soziokulturellen Aspekte von Gesundheit

Radiosendung vom 23.06.2017



Die Medizinanthropologie ist ein transdisziplinäres Forschungsfeld und nur unter Einbeziehung des lokalen Wissens der Bevölkerung auszuüben. Ziel ist es beispielsweise die Verbreitung von Krankheiten einzudämmen, aber auch präventive Maßnahmen in der Gesundheitsvorsorge zu setzen. Die Kenntnis um die soziokulturellen Aspekte von Krankheit, Gesundheit, Traumata, Geburt, Tod, Alter etc. sind zentrale Faktoren der Medizinanthropologie. Transdisziplinäre Ansätze und transformative Lernprozesse wollen zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der betroffenen Menschen beitragen und Gesundheit, bzw. medizinische Versorgung auf eine breite kultursensible Basis stellen. In der Humanitären Hilfe in den Ländern des sogenannten globalen Südens, aber auch in Österreich, wo viele geflüchtete Menschen ein neues Zuhause gefunden haben, ist die Medizinanthropologie zunehmend gefragt. Sie wird als Diagnose- und Analyseinstrument zusehends eingesetzt.

Für diese Sendung wurden drei Interviews mit zwei Medizinanthropologinnen und einem Medizinanthropologen geführt, die Einblicke in die Praxis und den Alltag der Forschenden gewähren, aber auch in grundlegende Strukturen von Prävention und Heilung. Was brauchen Menschen – da und dort – um gesund zu werden, bzw. auch zu bleiben?

Ruth Kutalek und Constantine Loum waren im Rahmen des Projekts MA-MEDANIH – finanziert durch APPEAR, dem Hochschulkooperationsprogramm der OEZA – beim Aufbau eines Masterprogrammes für Medizinanthropologie an der Gulu Universität in Uganda beteiligt. Anhand von Beispielen aus Uganda, Sierra Leone und Liberia wird unter anderem über vernachlässigte tropische Krankheiten und aktuelle Entwicklungen in dem medizinanthropologischen Kampf gegen das Ebola Virus gesprochen. Die Medizinanthropologin Ursula Wagner berichtet von ihrem Einsatz für
Ärzte ohne Grenzen im Tschad und beschreibt kreative und innovative Methoden zur Verbesserung der Frauengesundheit in diesem Land.

Gestaltung und Moderation: Maiada Hadaia (für den Sendungsinhalt verantwortlich)

Im Interview:
Univ.-Doz. Mag. Dr. Ruth Kutalek, Medizinische Universität Wien, Vorsitzende des Kuratoriums der Kommission für Entwicklungsforschung bei der OeAD-GmbH
Dr. Constantine Steven Loum, APPEAR Alumnus, Gulu Universität Uganda
Mag.a Ursula Wagner, MA, Abteilung Gleichstellung und Diversität an der Universität Wien, Ärzte ohne Grenzen

Weiterführende Links: Blog Posts: Ursula Wagner | Live aus dem Einsatz

Musik: The Mind Orchestra - Healing Transformation. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

Hören, lesen, verstehen - Radio, das weiter geht

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