WELT IM OHR Bildung Forschung Entwicklung

Forschen und Dichten am Ende der Welt – eine Sommerlesung über die Begegnung mit dem Fremden

Der Kulturanthropologe und Soziologe Andreas Obrecht über seine Forschungen in Papua Neuguinea

Radiosendung vom 19.08.2016




Andreas Obrecht leitet seit 2009 das Team „Bildung und Forschung für internationale Entwicklungszusammenarbeit“ in der OeAD-GmbH. Zuvor war er 25 Jahre in der ethnosoziologischen Forschung und in der universitären Lehre tätig. Begonnen hat er seine wissenschaftliche Karriere mit jahrelangen Feldforschungen im Hochland von Papua Neuguinea und in Inselmelanesien im Südpazifik – mit diesen Forschungen hat er sich auch 2007 im Fach Soziologie, mit spezieller Berücksichtigung der Entwicklungssoziologie, habilitiert.

In der diesjährigen „Welt im Ohr“-Sommerlesung spricht Andreas Obrecht über seine Forschungen in Neuguinea und liest aus seinen Büchern, die die Erfahrungen der Feldforschung literarisch darstellen. Neben der kulturkritischen Reflexion in der Begegnung mit dem sogenannten Fremden und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wissenssystemen kreisen seine Texte auch immer wieder um magisch-religiöse Rituale, um unterschiedliche Konzepte von Zeit und Raum, um die Konstruktion von – kulturellem – Sinn und um die Wildnis, als Hüterin der vielleicht letzten großen Geheimnisse dieser Welt.

Die Texte der Sendung sind folgenden Büchern von Andreas Obrecht entnommen:
Diese und andere Orte (1991) Verlag Haag & Herchen, Frankfurt;
Kultur des Reisens – Notizen, Berichte, Reflexionen(1992) Verlag für Gesellschaftskritik Wien;
Zeitreichtum – Zeitarmut. Von der Ordnung der Sterblichkeit zum Mythos der Machbarkeit (2003) Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt;
Geschichten aus anderen Welten. Eine Reise nach Neuguinea und Inselmelanesien, Ostafrika, Nepal und in die Karibik (2006) Böhlau Verlag Wien, Weimar, Köln;
Wozu wissen wollen? Wissen – Herrschaft – Welterfahrung. Ein Beitrag zur Wissensdiskussion aus kultur- und wissenssoziologischer Perspektive (2014) Edition Ausblick, Wien

Neben zahlreichen Artikeln und Buchbeiträgen sind die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungen in Papua Neuguinea vor allem aufgearbeitet und dargestellt in: Andreas Obrecht: Panoptismus in Papua Neuguinea. Akkulturation und sozialer Wandel in ehemals segmentären Gesellschaften (1995) Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt, New York, Paris

Gestaltung: Andreas Obrecht (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Sendetermin: Freitag 19.08.2016, 20:00-21:00 Uhr

Musik/Soundeffekte:


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Vom Empfänger zum Geberland – die Länder der EU-Osterweiterung und ihre Rolle als „neue Geber“

Radiosendung vom 22.07.2016




2004 erfuhr die Europäische Union die größte Erweiterung seit ihrer Gründung. 10 Länder traten gleichzeitig bei, 8 davon lagen im „ehemaligen Osten“. Es waren ehemals sozialistische Länder oder Sowjetrepubliken, die erst im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion oder kurz darauf unabhängige Demokratien wurden. Im Laufe der 1990er Jahre wendeten sich all diese Länder, manche früher, manche später, der EU zu. Sie begannen Beitrittsverhandlungen, bauten neue Strukturen auf und entwickelten neue Strategien, um den Anforderungen der Aufnahme in die EU gerecht zu werden. Eine dieser Anforderungen, wenn auch eine der „sanfteren“, nicht rechtlich bindenden, war die Ausarbeitung einer entwicklungspolitischen Strategie auf Landesebene. Als Mitglied der EU, die weltweit der größte Geber von Geldern für Entwicklungszusammenarbeit ist, verpflichtet sich ein Land zu diesen Geldern seinen Teil beizutragen.
Die meisten von ihnen waren unmittelbar nach dem Niedergang des Kommunismus selbst Bezieher von Hilfsgeldern der EU. Dennoch greift es zu kurz, sie als „neue Geber“ ohne Erfahrung zu bezeichnen. In Zeiten des Kommunismus blühte in vielen Ländern ein lebendiges Entwicklungshilfesystem.

Mit dem Beitritt in die EU änderte sich nun die Rolle der neuen Länder. Das kommunistische Erbe der Entwicklungshilfe wurde vielerorts kritisch und eher hinderlich gesehen, jetzt galt es die Ansprüche des Westens zu erfüllen. Diese Sendung bietet einen Überblick über den Werdegang der Entwicklungspolitik der Länder des ehemaligen Ostens. Sie geht der Frage nach, was vor dem EU-Beitritt war und was seitdem passiert ist. Zudem legt sie ein kritisches Augenmerk auf die Entwicklungspolitik der EU in Verbindung mit den „neuen Geberländern“.

Gestaltung und Moderation: Doris Bauer (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gast:
Dr. Tomáš Profant, Institute of International Relations Prag und Comenius Universität Bratislava

Im Interview:
Dr. Maja Bučar, University of Ljubljana/Slowenien
Dr. Simon Lightfoot, University of Leeds/Vereinigtes Königreich
Ing. Ondřej Horký-Hlucháň, Ph.D., Institute of International Relations Prag/Tschechien

Musik/Soundeffekte von: reinsamba, tomlija, johnnypanic, setuniman auf freesound.org

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300 Jahre „Nachhaltigkeit“: Die Lösung für globale Probleme?

Radiosendung vom 08.07.2016









„Nachhaltigkeit“ – ein Begriff der seinen Ursprung in der Forstwirtschaft des beginnenden 18. Jahrhunderts hat – geht als durchwegs positiv verstanden um die Welt: Unternehmen schmücken ihre Produkte und Dienstleistungen damit, politische Akteur/innen sprechen von „nachhaltigen Lösungen“, transnationale und Entwicklungsorganisationen, Regierungen und UN-Resolutionen propagieren eine „nachhaltige Entwicklung“ für alle. Die Nachhaltigkeitsdebatte hat sich weit über den umweltpolitischen Diskurs hinaus etabliert. Nachhaltigkeit wird – angelehnt an die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) – über alle Themen, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen gestülpt, die nicht mehr ausschließlich nur mit „Entwicklung“ zu tun haben.
In dieser Sendung gehen wir dem Ursprung des Begriffs nach, suchen nach den Akteur/innen die ihn benutzen, befassen uns mit seiner Messbarkeit, mit Handlungsanleitungen für eine „nachhaltige Entwicklung“ sowie mit alternativen Konzepten.
Antworten auf all diese Fragen geben uns dabei österreichische und internationale Wissenschafter/innen aus den Human- und Naturwissenschaften sowie Forscher/innen anhand eines Beispiels aus dem APPEAR Projekt - „Transdisciplinarity for Sustainable Tourism Development in the Caucasus Region“, einem Projekt das sich vier Jahre lang mit nachhaltiger Tourismusentwicklung in der Kaukasusregion beschäftigen wird.

Im Interview/Kommentare
Dr. Paul Yillia, Programm Manager (water-energy nexus) bei Sustainable Energy For All, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Africa Utility Week / Clean Power Africa, ehemaliger OeAD-Stipendiat
Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand, Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
Dr. Georg Grünberg, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des interdisziplinären Universitätslehrgangs für Höhere Lateinamerika-Studien, Träger des Österreichischen Preises für Entwicklungsforschung 2015
Univ.Doz. Dr.Andreas Obrecht, Kulturanthropologe und habilitierter Soziologe, Autor, Leiter der OeAD Abteilung „Bildung und Forschung für internationale Entwicklungs-zusammenarbeit“

Gestaltung und Moderation: Maiada Hadaia (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gäste:
Tamara Mitrofanenko, MSc., Konsulentin bei UNEP, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung (ILEN), APPEAR Projektmitarbeiterin
Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Andreas Muhar, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung (ILEN), APPEAR Projektleiter

Informationstexte des geschnittenen Beitrags im Original von:

Torsten Schäfer, Alumniportal Deutschland* sowie
Nachhaltige Energie für alle - aber für wen zuerst?

Musik: Jaime Heras - El Dorado. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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*Based on work developed on the Alumniportal Germany, managed by GIZ, Alexander von Humboldt-Stiftung, Deutscher Akademischer Austauschdienst, Goethe-Institut and funded by the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ). Under the license, the platform providers, copyright holders and funders do not endorse any future versions of the material or use of the work.

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EADI – Netzwerk europäischer Entwicklungsforschung

Radiosendung vom 24.06.2016
















Die führende Dachorganisation im Bereich der Entwicklungsforschung und der diesbezüglichen Ausbildung auf europäischer Ebene ist EADI. Die „European Association of Development Research and Training Institutes“, also die europäische Organisation für Entwicklungsforschungs- und -ausbildungsinstitutionen stellt ein europaweites Netzwerk von Institutionen, Forscher/innen und Studierenden dar. Gemeinsam ist ihnen der Fokus auf Entwicklungsforschung, wobei es keine disziplinären Einschränkungen gibt. EADI hat rund 150 Mitgliedsorganisationen in 26 Ländern. Gegründet wurde die Organisation 1975. Österreichische Mitglieder sind das Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien, die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC), das Österreichische Institut für internationale Politik (OIIP) und die Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) bei der OeAD-GmbH, die derzeit alle Mitglieder im EADI-Executive Committee vertritt.

EADI bietet den Mitgliedern umfangreiche Möglichkeiten und Leistungen. Darunter ein wissenschaftliches Journal, Publikationen, Seminare, Summer Schools und institutionsübergreifende Working Groups. Zudem bietet EADI, gemeinsam mit dem International Accreditation Council, die Möglichkeit der Akkreditierung von Hochschullehrgängen im Bereich der Development Studies. Die größte Aktivität stellt die Organisation einer Generalkonferenz, alle 3 Jahre, dar. Die nächste wird zwischen 21. und 23. August 2017 in Bergen/Norwegen stattfinden.

In dieser „Welt im Ohr“-Sendung wird die Organisation EADI vorgestellt und auf die vielfältigen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen eines aktiven europäischen Entwicklungsforschungsnetzwerkes eingegangen. Gast bei Maiada Hadaia ist Mag. Martina Neuwirth, entwicklungspolitische Expertin am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC), die selbst in der EADI aktiv war und ist. Ein von EADI-Executive Committee-Mitglied Doris Bauer (KEF) gestalteter Beitrag, in dem insbesondere EADI-Präsidentin Prof. Dr. Isa Baud (Universität Amsterdam) zu Wort kommt, komplettiert das Studiogespräch.

Moderation: Maiada Hadaia
Gestaltung und Sendungsverantwortung: Doris Bauer, Maiada Hadaia
Gast: Mag. Martina Neuwirth - Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC)

Musik: Jibs - Intro; Sonic Ahmed - Gosch.
Im Beitrag: The Mind Orchestra - Moonlight; Dee Yan-Key - Chaleur Estivale; Dom the bear - so british.
Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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Flucht und Fluchtursachen: das neue Gesicht der Globalisierung

Radiosendung vom 10.06.2016



Für viele Monate war die Medienlandschaft vor allem von einem Thema beherrscht: Den Fluchtbewegungen nach Europa. Nun ist es darum wieder recht ruhig und die Schlagzeilen sind deutlich weniger geworden. Dabei brechen nach wie vor tausende Menschen aus nach wie vor umkämpften und verwüsteten Kriegsgebieten auf, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Es scheint ihnen aber immer weniger zu gelingen, auch bis zu uns durchzukommen. Die Schließung der Balkanroute nach Europa scheint ihre Wirkung nicht zu verfehlen, die Situation an unseren Grenzen wieder ruhig zu sein.

Mit Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich, sprechen wir darüber, wohin sich die Fluchtbewegung verlagert hat, an welchen Grenzen diese unterbrochen wurde und welchen Verhältnissen die Flüchtenden dort ausgesetzt sind. Tyma Kraitt, Herausgeberin des Buches "Syrien. Hintergründe, Analysen, Berichte.", wird uns die Fluchtursachen näherbringen. Außerdem diskutieren wir die Frage, was Europa zur Bekämpfung der Fluchtursachen beitragen kann und welche Politik es dafür brauchen würde. Denn wenn die Wochenzeitung "Die Zeit" die Flüchtlinge als "das neue Gesicht der Globalisierung" bezeichnet, hat deren Elend vielleicht auch etwas mit uns selbst zu tun.

Gestaltung und Moderation: Fabian Unterberger (Verantwortlich für den Sendungsinhalt)
Gäste: Mag. Erich Fenninger (Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich)
Mag. Tyma Kraitt (Nahostexpertin und Buchherausgeberin)

Musik: Ben OThman - Arabica; Adel - Kelelinda; Elyes Landoulsi - Eddhamir; Akashic Records - African Mbira with Percussion; Youssouf Karembe - Odimiyasin; Pivert - L_homme seul. Nachzuhören auf Jamendo, einer Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.

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